Standhöhe beim Bogen richtig einstellen

Die Standhöhe beim Bogen (Brace Height) ist eine der wichtigsten technischen Grundlagen im Bogensport. Sie beeinflusst nicht nur Geräuschentwicklung und Schussverhalten, sondern auch direkt Pfeilgeschwindigkeit, Flugbahn und die Hoch-Tief-Abweichung im Trefferbild.

Was ist die Standhöhe?

Die Standhöhe ist der Abstand zwischen der gespannten Sehne und dem tiefsten Punkt des Griffstücks (Pivot Point). Gemessen wird im rechten Winkel zur Sehne.

Sie bestimmt maßgeblich, wie der Bogen arbeitet und wie effizient die Energie auf den Pfeil übertragen wird.

Wer konstant treffen will, muss die Standhöhe verstehen – (regelmäßig) messen und korrekt einstellen.

Warum ist die Standhöhe so wichtig?

Die Standhöhe beeinflusst:

  • Pfeilgeschwindigkeit
  • Flugbahn
  • Geräuschentwicklung
  • Vibration
  • Energieübertragung
  • Treffpunktlage in der Höhe

Schon wenige Millimeter Unterschied können das Trefferbild deutlich verändern.

Zusammenhang: Standhöhe, Pfeilgeschwindigkeit und Hoch-Tief-Abweichung

Niedrige Standhöhe = mehr Geschwindigkeit

  • längere Beschleunigungsphase
  • höhere Pfeilgeschwindigkeit
  • flachere Flugbahn
  • Treffpunkt wandert nach oben
  • oft lauter und unruhiger Schuss
  • fehleranfälliger, „nervöser“ 

Hohe Standhöhe = weniger Geschwindigkeit

  • kürzere Beschleunigungsphase
  • geringere Geschwindigkeit
  • stärker gekrümmte Flugbahn
  • Treffpunkt wandert nach unten
  • möglicher Leistungsverlust
  • fehlerverzeihender

Die Standhöhe bestimmt, wie lange die Sehne den Pfeil beschleunigt.

Physikalisch gilt: Je langsamer der Pfeil, desto stärker wirkt die Schwerkraft – und desto stärker sinkt er auf Distanz ab.

Deshalb sind unerklärliche Hoch- oder Tiefabweichungen manchmal vielleicht kein Schusstechnikproblem, sondern eine eventuell nicht erkannte veränderte Standhöhe.

Wenn sich das Trefferbild plötzlich verändert

Eine häufige Ursache ist eine neue oder nicht eingeschossene Sehne. Neue Sehnen setzen sich in den ersten Schüssen und verlängern sich leicht. Dadurch sinkt die Standhöhe – und dein Trefferbild verschiebt sich schleichend.

Standhöhe richtig messen – immer mit Checker

Die Standhöhe muss immer gleich sein.

Gemessen wird mit einem Standhöhen-Checker:

  1. Bogen spannen (nicht ausziehen)
  2. Checker am tiefsten Punkt des Griffstücks anlegen
  3. Senkrecht zur Sehne messen
  4. Wert ablesen

Besonders wichtig:

  • Vor dem Schießen messen
  • Nach dem Sehnenwechsel kontrollieren
  • Neue oder nicht eingeschossene Sehnen regelmäßig prüfen
  • Nach dem Spannen überprüfen

Konstanz ist entscheidend für konstante Treffer.

Standhöhe einstellen – wie geht das?

Die Standhöhe hängt direkt von der Länge der Sehne ab. Je länger die Sehne, desto weniger stark sind die Wurfarme im aufgespannten Zustand gebogen – die Sehne steht näher am Griff und die Standhöhe wird geringer. Eine kürzere Sehne erhöht entsprechend die Standhöhe.

Um die gewünschte Standhöhe im vom Bogenbauer angegebenen Rahmen einzustellen, wird die Sehne ein- oder ausgedreht:

  • Eindrehen (bei flämisch gespleißten Sehnen in Baurichtung, meist gegen den Uhrzeigersinn) verkürzt die Sehne und erhöht die Standhöhe.
  • Ausdrehen (entgegen der Baurichtung, meist im Uhrzeigersinn) verlängert die Sehne und verringert die Standhöhe.

So lässt sich die Standhöhe schnell und präzise anpassen.

Kurz:

  • Mehr Drehungen → Standhöhe steigt
  • Weniger Drehungen → Standhöhe sinkt

Nach jeder Veränderung erneut messen.

Wie oft sollte man die Standhöhe kontrollieren?

Bei einem neuen Bogen oder einer neuen Sehne musst du die Standhöhe zunächst einstellen. Neue Sehnen dehnen sich in den ersten 100–250 Schuss leicht. Besonders flämisch gespleißte Sehnen setzen sich spürbar, da sich die einzelnen Stränge erst verdichten.

In dieser Phase solltest du die Standhöhe regelmäßig kontrollieren und nachstellen, da sie durch die Sehnenlängung kleiner wird.

Nach der Einschussphase bleibt die Sehne in der Regel stabil. Dann reicht es, die Standhöhe gelegentlich zu prüfen – außer du spannst die Sehne komplett ab und sie dreht sich aus. In diesem Fall musst du sie neu einstellen. Ein Sehnenhalter hilft, das Ausdrehen zu verhindern.

Optimale Standhöhe – Angaben des Bogenbauers beachten

Die meisten Bogenbauer geben für ihre Bögen eine optimale Standhöhe oder zumindest einen empfohlenen Standhöhenbereich an. Diese Angabe ist kein Richtwert „irgendwo in der Mitte“, sondern basiert auf Tests zur maximalen Leistungsfähigkeit des Bogens.

Warum das wichtig ist:

  • Der Bogen erreicht in diesem Bereich seine optimale Energieübertragung
  • Vibrationen werden minimiert
  • Das Schussgeräusch reduziert sich
  • Die Materialbelastung bleibt im vorgesehenen Rahmen
  • Die Pfeilgeschwindigkeit steht im optimalen Verhältnis zur Kontrolle

Innerhalb des angegebenen Bereichs kann man fein abstimmen – je nach persönlichem Schussgefühl, nach Zielmethode und Pfeilsetup.

Außerhalb dieses Bereichs arbeitet der Bogen ineffizient, verliert Leistung oder erzeugt unnötige Unruhe im Schuss oder schadet dem Material massiv bei zu kurzen Standhöhen. 

Deshalb gilt:

👉 Immer im empfohlenen Bereich starten
👉 In kleinen Schritten optimieren
👉 Jede Änderung mit dem Checker kontrollieren

Bei traditionellen Bögen kann die Sehne beim Entspannen vom Bogen rutschen. Die Sehe muss neu aufgezogen werden, die Standhöhe verändert sich dadurch eventuell  – außer du stellst sie  aufwendig neu ein.

Die Sehne mit einem Sehnenhalter sichern, nach dem Entspannen. So bleibt die Standhöhe konstant und du vermeidest unnötige Nacharbeit. Gerade bei traditionellen Bögen ist das ein oft unterschätzter, aber entscheidender Punkt.

Trotz aller Technik darf man eines nicht vergessen: Eine saubere, immer gleich reproduzierbare Schusstechnik ist mindestens genauso wichtig wie die richtige Standhöhe. Eine immer gleich reproduzierbare Technik ist letztlich der entscheidende Faktor für konstante Treffer – denn selbst die perfekte Einstellung kann eine inkonstante Ausführung nicht ausgleichen.

Denn am Ende entscheidet nicht nur die Einstellung – sondern vor allem die exakt gleiche Wiederholbarkeit deiner Bewegung. 🎯

 

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